22. Wochenendseminar- Online 28.11.2020 8:45- 14:00 Uhr über Zoom

22. Wochenendseminar- Online 28.11.2020 8:45- 14:00 Uhr
über Zoom

 

28.11.2020, Wochenendseminar
Erfahrungsbericht von Mathias Hennig

Das 22. Wochenendseminar des Mukoviszidose e.V. macht die besonderen Umstände des Jahres 2020 deutlich. Die Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie verhindern ein Treffen vor Ort und so wird die Veranstaltung kurzerhand online über Zoom abgehalten. Von 8:45 Uhr bis 13:00 Uhr informieren die Referenten über aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung, über das alltägliche Leben mit CF, über sportliche Betätigung, neue Medikamente und Vieles mehr.

Hans Joachim Walter begrüßt alle Teilnehmer und beginnt mit einem emotionalen Nachruf für Dr. Jutta Hein, die viele Jahre die Wochenendseminare des Mukoviszidose e.V. gestaltete und moderierte bevor sie am 20.02.2020 verstarb. Dr. Sebastian Schmidt ruft zu einer Schweigeminute auf.

Prof. Dr. Manfred Ballmann erläutert, wie das Corona-Virus in der Lunge eines CF-Patienten agiert und welche Rolle dabei sogenannte ACE und ACE 2-Gene spielen. Da diese bei CF-Patienten erhöht sind, kann dies wie ein Schutzmechanismus gegen die Aufnahme von Corona-Viren wirken. Prof. Ballmann stellt fest, dass durch die Erkrankung an Mukoviszidose keine zusätzliche Gefährdung für eine Infektion mit Corona besteht.

Die 20-jährige Lea Münn aus der Nordwestuckermark hält einen lebendigen Vortrag und gibt den Zuhörern einen Einblick in ihr Leben und in ihren Alltag mit Mukoviszidose. Lea ist sehr aktiv, treibt regelmäßig Sport, geht Reiten und Skifahren und verbringt viel Zeit mit ihren Hunden. Sie steht kurz vor ihrem Abschluss zur Ergotherapeutin und freut sich bereits auf das Berufsleben. Für die Zukunft strebt Sie Weiterbildungen im Bereich Pädiatrie, Orthopädie und Chirurgie an.

Dr. Corinna Moos-Thiele beginnt ihren Part der Veranstaltung mit ein paar Lockerungsübungen für die Teilnehmer, die bereits seit 1 ½ Stunden vor den Rechnern sitzen und nun gemeinsam vor den Kameras stehen und die Arme kreisen lassen. Anschließend klärt sie auf über Sport bei CF und Osteoporose und gibt viele Tipps, welcher Sport zur Prävention von Osteoporose geeignet ist. Das Fazit: eine gesunde Kombination aus Krafttraining und Ausdauersport zusammen mit einer kalorienreichen Ernährung.

Dr. Birte Kinder hält einen Vortrag über Mukoviszidose und Pubertät. Anschaulich stellt sie dar, dass die ohnehin schwierige Zeit der Pubertät für einen CF-Patienten zusätzliche Herausforderungen bedeuten kann. Hier kollidieren oftmals der Wunsch „normal zu sein“ und nicht gesundheitlich aufzufallen mit der komplexen und unbequemen Therapie. Hilfreich neben vielen anderen Dingen sind hier ausführliche und wiederholte Informationen für die Patienten und deren Familien.

Dr. Katja Breuel gibt wichtige Informationen zur Hygiene bei CF und Corona. Viele Verhaltensweisen, die für CF-Patienten bereits selbstverständlich sind, finden durch das Corona-Virus nun auch in der Gesamtbevölkerung Beachtung. Es folgen Informationen zur Infektionsprävention im Alltag, zu Basis-Hygienemaßnahmen, Zahnhygiene, der Umgang mit Wasser oder auch der Umgang mit Wohnraumhygiene und Gartenarbeit. In einer anschließenden Fragerunde gibt Fr. Dr. Breuel eine Einschätzung zu Schutzimpfungen gegen das Corona-Virus.

Im letzten Vortrag des Seminars klärt Dr. Sebastian Schmidt über neue Medikamente auf, die durchaus erfreuliche Resultate erzielen. Er informiert darüber, was man bei der Einnahme beachten muss und wer die Medikamente bekommt. Ganz besonders betont Herr Dr. Schmidt, dass die bisherige Mukoviszidose-Therapie unbedingt fortzusetzen ist.

Insgesamt war dies ein sehr gelungenes Seminar. Die Referenten gaben viele interessante Informationen und Einblicke. Trotz der digitalen Form war die Veranstaltung sehr persönlich. Durch die technischen Möglichkeiten (sich per Video zuschalten zu können und sich zu allen Punkten auch zu Wort zu melden oder in den Chat zu schreiben) war es möglich, in einen direkten Informations- und Erfahrungsaustausch zu treten. Kleine technische Hürden und Probleme mit diesem neuen Format waren nicht weiter störend, konnten schnell aus dem Weg geräumt werden und machten die Veranstaltung authentisch. Es ist auf jeden Fall von Vorteil, wenn die Referenten bei Bedarf technische Unterstützung vor Ort erhalten. So kann technischen Hürden und auch potentiellen Berührungsängsten effektiv begegnet werden. Das Online-Seminar war eine sehr gute Alternative zur Präsenz-Veranstaltung.

Für die Zukunft scheint es überlegenswert, auch bei künftigen Präsenzveranstaltungen parallel das Seminar online anzubieten. So eröffnet man auch Teilnehmern, die nicht vor Ort sein können, die Möglichkeit, per Stream teilzunehmen.

Aus meinem ersten Wochenendseminar gehe ich mit einem sehr positiven Gefühl heraus. Ich danke allen Veranstaltern, Referenten und Sponsoren für die sehr aufschlussreiche und sympathische Veranstaltung.